Vertragsmanagement
Präqualifizierung Sanitätshaus (PQ)
Präqualifizierung (PQ) · auch: PQ Sanitätshaus · Präqualifikation Hilfsmittel · GKV-Präqualifizierung
Direct Answer
Die Präqualifizierung (PQ) ist der gesetzlich vorgeschriebene Nachweis, dass ein Leistungserbringer die fachlichen, räumlichen und personellen Voraussetzungen für die Hilfsmittelabgabe an gesetzlich Versicherte erfüllt.
- Rechtsgrundlage: § 126 Abs. 1a SGB V
- Durchgeführt von: akkreditierten Präqualifizierungsstellen
- Gültigkeit: in der Regel 5 Jahre
- Pro Versorgungsbereich ausgestellt (Orthopädietechnik, Sanitätsfachhandel,
- Ohne PQ kein Vertrag mit einer GKV — ohne Vertrag keine Abrechnung
Was geprüft wird
| Bereich | Beispiele | |
|---|---|---|
| Personell | Qualifizierte Fachkraft (Meister, Geselle mit Erfahrung), Erste-Hilfe-Schulung, Fortbildungsnachweise | |
| Räumlich | Beratungsräume mit Diskretion, separate Anprobe-Kabine, barrierearmer Zugang, Lager mit Zutrittsschutz | |
| Hygienisch | Hygieneplan, Reinigungsdokumentation, Umgang mit Patientendaten | |
| Technisch | Werkzeuge / Maße für die jeweilige Versorgung, Wartungsnachweise | |
| Organisatorisch | Versorgungsdokumentation, Reklamationsmanagement, Notfallplan |
Warum PQ der Wettbewerbs-Anker ist
Wer ohne PQ Hilfsmittel an gesetzlich Versicherte abgibt, bricht das Gesetz — Abrechnung gegen die GKV ist dann unzulässig. In der Praxis ist das in der Strumpfversorgung ein Dauerthema: Apotheken dürfen Kompressionsstrümpfe abgeben, aber nur, wenn sie für den Bereich Sanitätsfachhandel präqualifiziert sind und alle räumlichen und personellen Voraussetzungen erfüllen. Das ist in der Regel nicht der Fall — entsprechende Versorgungen können dann nicht in der fachlichen Tiefe ablaufen, die ein Sanitätshaus leistet.
→ Mehr dazu im Kontext: Apotheke vs. Sanitätshaus — Strumpfversorgung.
Was eine PQ-Erstzertifizierung typisch kostet
- Audit-Kosten: je nach Stelle und Versorgungsbereich ca. 800–2.500 € pro
- Vorbereitung: mehrere Tage bis Wochen Personaleinsatz für Dokumentation,
- Folgekosten: Re-Zertifizierung alle 5 Jahre
Damit ist die PQ ein Investment — und gleichzeitig ein Beleg dafür, dass das Sanitätshaus mehr leistet als reine Produktabgabe.
→ Verwandt: GKV-Hilfsmittelversorgung (SGB V) · Hilfsmittelverzeichnis & Positionsnummer.
Quellen
- VerbandGKV-Spitzenverband — HilfsmittelverzeichnisOffizielles Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung — 10-stellige Positionsnummern.
Verwandte Begriffe
- GKV-Hilfsmittelversorgung (SGB V)Die gesetzliche Hilfsmittelversorgung in Deutschland regelt SGB V — Vertragsärzte verordnen, Sanitätshäuser liefern nach Hilfsmittelverzeichnis, der MDK kontrolliert. 2019 gab es 109 Krankenkassen, frei wählbar im Rahmen der Sozialversicherungspflicht.
- Hilfsmittelverzeichnis & PositionsnummerDas Hilfsmittelverzeichnis (Himi-Verz.) des GKV-Spitzenverbandes gliedert alle erstattungsfähigen Hilfsmittel in 10-stellige Positionsnummern, sortiert nach Produktgruppe, Anwendungsort, Untergruppe und Einzelprodukt. Verordnen muss man mindestens einen Siebensteller; die Indikation regelt jeder Indikationsrahmen einzeln.
- Apotheke vs. Sanitätshaus — Kompressionsversorgung im VergleichApotheken dürfen Kompressionsstrümpfe abgeben, sofern sie für den Bereich Sanitätsfachhandel präqualifiziert sind und alle räumlichen, personellen und hygienischen Voraussetzungen nach § 126 SGB V erfüllen. In der Praxis ist das oft nicht durchgehend gegeben — die Maßaufnahme erfolgt häufig zwischen Tür und Angel, ohne separate Anprobe-Kabine, ohne fachlich ausgebildete Fachkraft im Sanitätsfachhandel, ohne strukturiertes Anamnesegespräch. Ein Sanitätshaus erfüllt diese Voraussetzungen als Kerngeschäft. Für Patient:innen heißt das: gleiche Position im Hilfsmittelverzeichnis, sehr unterschiedliche Versorgungstiefe.