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Biomechanische Wirkprinzipien

Wirkprinzipien der Orthetik — Fixation, Korrektur, Kompensation, Extension

Wirkprinzipien · auch: biomechanische Wirkprinzipien · Orthese Funktionsprinzipien · FKKE-Prinzip

Grundlagen ✓ Geprüft Aktualisiert: 2026-05-02

Direct Answer

Die vier biomechanischen Wirkprinzipien der Orthetik beschreiben, wie eine Orthese auf den Körper einwirkt:

  1. Fixation — führen, blockieren, am Ort halten
  2. Korrektur — aufrichten, verbessern, überkorrigieren, Wachstum lenken
  3. Kompensation — dreidimensionaler Volumen- und Längenausgleich
  4. Extension — Entlastung unter Zug, ggf. mit Kraftanwendung

Diese vier Prinzipien sind kombinierbar — eine einzige Orthese kann mehrere davon gleichzeitig leisten.

Die vier Prinzipien im Detail

1. Fixation

Die Orthese **hält** ein Gelenk oder Körpersegment in einer definierten Position. Bewegung wird vollständig oder partiell blockiert.
AnwendungBeispiel
Vollständige FixationNachtschiene zur Spitzfuß-Vorbeugung
Partielle FixationFlexionsanschlag in HKAFO bei spastischer Diplegie
Stabilisierung in BelastungKO bei Kreuzbandverletzung

2. Korrektur

Die Orthese **bewegt** ein Körperteil aktiv in eine bessere Position oder **verhindert das Fortschreiten** einer Fehlstellung. Bei Wachstum ist auch eine **Wachstumslenkung** möglich (z. B. bei Klumpfuß-Behandlung).
AnwendungBeispiel
Redression SpitzfußDynamische AFO mit Federrückstellung
Skoliose-KorrekturCheneau-Orthese (Wirbelsäule)
WachstumslenkungKlumpfuß-Schiene nach Ponseti

3. Kompensation

Die Orthese **gleicht aus**, was anatomisch fehlt oder zu kurz ist.
AnwendungBeispiel
Längenausgleich BeinSohlenerhöhung bei Beinverkürzung
VolumenausgleichPolster bei Atrophie nach langer Ruhigstellung
FunktionsersatzFederzug bei Fußheberschwäche (dynamische AFO)

4. Extension

Die Orthese **entlastet** ein Körperteil durch Zug oder Abstützung — typischerweise zur Schmerzreduktion oder Heilungs-Unterstützung.
AnwendungBeispiel
Vertikale EntlastungTuberaufsitz-Orthese mit Sohlen­entlastung
Axialer ZugHalo-Fixateur (Halswirbelsäule)
KraftanwendungKnee-Brace mit unloader-Mechanismus

Kombination der Prinzipien

Die meisten realen Versorgungen kombinieren mehrere Prinzipien:

Eine dynamische AFO bei Fußheberschwäche wirkt:
- kompensierend (Federzug ersetzt fehlende Muskelaktivität),
- fixierend (Pronation/Supination wird kontrolliert),
- in Phasen auch korrigierend (verhindert Spitzfuß-Kontraktur).

Bezug zur Klassifikation

Die Klassifikation (FO/AFO/KO/...) sagt, welche Gelenke umfasst sind. Die Wirkprinzipien sagen, wie die Orthese wirkt. Beides zusammen beschreibt eine Versorgung vollständig.

Hinweis zur Begrifflichkeit „Redression"

Der Begriff Redression wird häufig synonym mit Korrektur verwendet, ist aber spezifischer: Redression bezeichnet die gezielte mechanische Korrektur einer manifesten Fehlstellung — meist mit definierter Kraft über definierte Zeit. Die ärztliche Verordnung von „Redression" und die techniker­seitige Auslegung können auseinanderlaufen — Absprache zur Versorgung wird empfohlen, bevor die Orthese gefertigt wird.

→ Verwandt: Klassifikation Orthesen unt. Extremität · ISO 8551:2003 · BUFA-Standard.

Quellen

  1. Norm
  2. Lehrbuch
    Hütt R. — Orthetik der unteren Extremitäten Standardlehrbuch für Orthesenkonstruktion und biomechanische Wirkprinzipien.✓ geprüft · von Niels Schild · 2026-05-02
  3. Bildung
    Bundesfachschule für Orthopädie-Technik Dortmund (BUFA)Zentrale Fachschule für die OT-Meisterausbildung in Deutschland — definiert den „BUFA-Standard" als anerkannten Branchen-Konsens.✓ geprüft · von Niels Schild · 2026-05-02

Verwandte Begriffe

Letzte Prüfung: 2026-05-02. Hinweis fehlt etwas oder ist unklar? Schreib uns kurz .