Klassifikation der Orthesen
Klassifikation der Orthesen — untere Extremität
FO/AFO/KO/KAFO/HO/HKO/HKAFO · auch: Orthesen Klassifikation · AFO KAFO HKAFO · Versorgungshöhe Orthese
Direct Answer
Orthesen der unteren Extremität werden international nach den umfassten Gelenken klassifiziert. Die englischen Akronyme beschreiben die Versorgungshöhe von Fuß bis Becken:
- FO — Fußorthese (Foot Orthosis)
- AFO — Sprunggelenk-Fuß-Orthese (Ankle-Foot Orthosis)
- KO — Knieorthese (Knee Orthosis)
- KAFO — Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese (Knee-Ankle-Foot Orthosis)
- HO — Hüftorthese (Hip Orthosis)
- HKO — Hüft-Knie-Orthese (Hip-Knee Orthosis)
- HKAFO — Hüft-Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese (Hip-Knee-Ankle-Foot Orthosis)
Schematische Definition der Versorgungshöhe
HKAFO ━━━━━━ Becken ━━━━━━┓
HKO ━━━━━━ Becken ━━━┓ ┃
HO ━━━━━━ Hüfte ━━┓┃ ┃
┃┃ ┃
KAFO ━━━━━━━ Knie ┃ ┃
KO ━━━━━━━ Knie ┃ ┃
┃ ┃
AFO ━━━ Sprunggelenk
FO ━ Fuß
Jede Klassifikation umfasst alle darunterliegenden Gelenke — eine HKAFO geht vom Becken bis zum Fuß und umfasst Hüft-, Knie- und Sprunggelenk.
Detail-Beschreibung pro Klasse
FO — Fußorthese
Klassische **orthopädische Einlage**. Korrigiert Fußstatik (Senkfuß, Spreizfuß, Hohlfuß), entlastet Druckzonen, gleicht Beinlängen aus. Auch konfektionierte Sport- oder Diabetes-Einlagen fallen hier rein.AFO — Sprunggelenk-Fuß-Orthese
Umfasst **OSG (oberes Sprunggelenk) und Fuß**. Die häufigste Beinorthese. Indikationen: Fußheberschwäche (Peronaeusparese), spastische Lähmungen, postoperative Stabilisierung. Varianten:- Statische AFO — fixiert das OSG vollständig
- Dynamische AFO — federnde Rückführung der Fußhebung
- Floor-Reaction AFO — Vorderfuß-Anschlag, indirekte Knie-Streckung
KO — Knieorthese
Reine **Kniestabilisierung** ohne Sprunggelenk-Einbindung. Indikationen: Bandverletzungen (Kreuzband, Seitenbänder), nach Endoprothese, Schmerzen bei Gonarthrose. Modular mit Funktionsgelenken ausgeführt.KAFO — Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese
**Klassische Beinschiene** vom Oberschenkel bis zum Fuß. Indikationen: spastische / schlaffe Lähmungen, Poliomyelitis-Spätfolgen, Beininstabilität nach komplexen Frakturen. Mit Schweizer Schloss, Reziprokem Schloss oder elektronischen Knien (z. B. C-Brace).HO — Hüftorthese
**Beckenfixation mit Hüftgelenk**. Häufig nach Hüft-TEP-Luxation als Schutzorthese mit Bewegungsbegrenzung in Flexion und Abduktion.HKO — Hüft-Knie-Orthese
Fixiert Hüfte und Knie, **Sprunggelenk frei**. Selten als finale Versorgung — meist Übergang zur HKAFO.HKAFO — Hüft-Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese
**Komplette Beinkette mit Becken**. Indikation: hohe Querschnittlähmung, Reziprokes Gehgerät (RGO), schwere Lumbalfrakturen.Klassifikation vs. Funktionsprinzip
Die Klassifikation FO–HKAFO sagt was umfasst wird — nicht, wie es wirkt. Die biomechanische Wirkung wird über die Wirkprinzipien Orthetik beschrieben (Fixation, Korrektur, Kompensation, Extension).
Eine AFO kann fixierend (statisch), korrigierend (Redression bei Spitzfuß), kompensierend (Längenausgleich) oder extendierend (entlastend) ausgeführt werden — die Klassifikation alleine reicht nicht für die Versorgungsbeschreibung.
Quellen-Bezug
Diese Klassifikation ist international standardisiert in:
- ISO 8551:2003 — Funktionsbeschreibung von Orthesen
- ISO 13404:2007 — Klassifikation und Bezeichnung externer Orthesen
- BUFA-Standard (Bundesfachschule Dortmund) als anerkannte
→ Verwandt: Wirkprinzipien Orthetik · ISO 8551:2003 · BUFA-Standard · Technische Achsen in der Orthetik.
Quellen
- Norm
- NormISO 13404:2007 — Prosthetics and orthotics — Categorization and description of external orthoses and orthotic componentsKlassifikation und Bezeichnung von Orthesen — ergänzt ISO 8551.
- LehrbuchHütt R. — Orthetik der unteren Extremitäten Standardlehrbuch für Orthesenkonstruktion und biomechanische Wirkprinzipien.
- BildungBundesfachschule für Orthopädie-Technik Dortmund (BUFA)Zentrale Fachschule für die OT-Meisterausbildung in Deutschland — definiert den „BUFA-Standard" als anerkannten Branchen-Konsens.
Verwandte Begriffe
- Wirkprinzipien der Orthetik — Fixation, Korrektur, Kompensation, ExtensionDie vier biomechanischen Wirkprinzipien der Orthetik sind: Fixation (führen, blockieren, am Ort halten), Korrektur (Aufrichten, Verbessern, Wachstum lenken), Kompensation (Volumen- und Längenausgleich) und Extension (Entlastung unter Zug).
- ISO 8551:2003 — Funktionelle Einteilung von OrthesenDie ISO 8551:2003 ist die internationale Norm zur funktionellen Einteilung von Orthesen. Sie beschreibt neun klinische Behandlungsziele — von Fehlstellungs-Vorbeugung über Gelenkbeweglichkeits-Begrenzung bis zur Belastungsumverteilung — als Grundlage für Verordnung und Konstruktion.
- BUFA-Standard — OrthetikDer BUFA-Standard ist eine an der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik in Dortmund entwickelte, international anerkannte Konvention zur Klassifizierung und Konstruktion von Orthesen — er gliedert vor allem entlastende Orthesen, Gelenksicherheits-Nachtschienen und orthopädische Einlagen nach einheitlichen Kriterien.
- Technische Achsen in der OrthetikIn der Orthetik der unteren Extremität gibt es vier sinnvoll konstruierbare technische Achsen: Hüftgelenk-, Knie-, oberes Sprunggelenk- und Abrollachse (Hilfsgelenk). Alle Achsen müssen horizontal und parallel zueinander angeordnet sein (kongruent), drei davon dürfen niemals gleichzeitig gesperrt werden ohne ein viertes Hilfsgelenk.