Normen & Standards
BUFA-Standard — Orthetik
BUFA-Standard · auch: Bundesfachschule Standard · Dortmunder Standard Orthetik
Direct Answer
Der BUFA-Standard ist eine an der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik Dortmund (BUFA) entwickelte und in Deutschland anerkannte Konvention zur Klassifizierung und Konstruktion von Orthesen. Er ergänzt die internationale ISO 8551:2003 um eine deutschlandspezifische, technisch detaillierte Auslegung — vor allem für entlastende Orthesen, Gelenksicherheits-Nachtschienen und orthopädische Einlagen.
Was die BUFA ist
Die BUFA Dortmund ist die zentrale Fachschule für die OT-Meisterausbildung in Deutschland. Sie steht in der Tradition als anerkannter Branchenkonsens — ihre Lehrwerke und Definitionen werden in Lehrbüchern, Berufsschulen und Fachprüfungen referenziert.
Was der Standard regelt
Der BUFA-Standard liefert detaillierte technische Auslegungen für drei Versorgungsfelder:
1. Entlastende Orthesen
Konstruktionsprinzipien für:- Tuberaufsitz-Orthesen (Fersen- und Sohlenentlastung)
- Schaftgestaltung mit definierter Druckverteilung
- Schienenführung vom Becken zum Boden mit vertikaler Lastableitung
2. Gelenksichernde Orthesen — Nachtschienen und -schalen
Auslegung für:- Spitzfuß-Prophylaxe (z. B. für Schlaganfallpatienten)
- Klumpfuß-Behandlung im Wachstum
- Postoperative Lagerungsschalen
3. Orthopädische Einlagen (FO)
Klassifikation der Einlagen-Typen und Konstruktionsprinzipien:- Stützung
- Bettung
- Korrektur
- Sensomotorisch
Bedeutung neben ISO 8551
ISO 8551:2003 ist funktional orientiert — sie sagt, was eine Orthese leisten soll. Der BUFA-Standard ist konstruktiv orientiert — er sagt, wie sie ausgeführt sein muss, um das zu leisten.
Die zwei Standards stehen daher komplementär und werden in der deutschen OT-Ausbildung zusammen unterrichtet.
→ Verwandt: ISO 8551:2003 · Wirkprinzipien Orthetik · Tuberaufsitz mit Sohlenentlastung.
Quellen
- BildungBundesfachschule für Orthopädie-Technik Dortmund (BUFA)Zentrale Fachschule für die OT-Meisterausbildung in Deutschland — definiert den „BUFA-Standard" als anerkannten Branchen-Konsens.
- LehrbuchHütt R. — Orthetik der unteren Extremitäten Standardlehrbuch für Orthesenkonstruktion und biomechanische Wirkprinzipien.
Verwandte Begriffe
- ISO 8551:2003 — Funktionelle Einteilung von OrthesenDie ISO 8551:2003 ist die internationale Norm zur funktionellen Einteilung von Orthesen. Sie beschreibt neun klinische Behandlungsziele — von Fehlstellungs-Vorbeugung über Gelenkbeweglichkeits-Begrenzung bis zur Belastungsumverteilung — als Grundlage für Verordnung und Konstruktion.
- Klassifikation der Orthesen — untere ExtremitätOrthesen der unteren Extremität werden nach umfassten Gelenken klassifiziert: FO (Fußorthese), AFO (Sprunggelenk-Fuß-Orthese), KO (Knieorthese), KAFO (Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese), HO (Hüftorthese), HKO (Hüft-Knie-Orthese) und HKAFO (Hüft-Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese).
- Wirkprinzipien der Orthetik — Fixation, Korrektur, Kompensation, ExtensionDie vier biomechanischen Wirkprinzipien der Orthetik sind: Fixation (führen, blockieren, am Ort halten), Korrektur (Aufrichten, Verbessern, Wachstum lenken), Kompensation (Volumen- und Längenausgleich) und Extension (Entlastung unter Zug).