Konstruktionsdetails
Tuberaufsitz mit Fersenentlastung
Tuberaufsitz Ferse frei · auch: Tuber-Tragering · Sitzbeinaufsitz Orthese
Direct Answer
Eine Beinorthese mit Tuberaufsitz und freischwebender Ferse (bei Ballenkontakt) hat die Aufgabe, einen großen Teil der Körperschwere in ihrer belastenden Wirkung vom erkrankten Bein zu nehmen.
Die Last fließt über:
- das Becken, abgestützt am Tuber ossis ischii (Sitzbeinhöcker)
- die bodengebundene vertikale Schienenführung der Orthese
So wird im Stand und in der Schrittlage eine fast völlige Entlastung der erkrankten Seite erreicht. In der Schrittrücklage besteht weiterhin eine Teilbelastung.
Wie es funktioniert
Der Schaft fasst das Becken am Sitzbein-Höcker — ähnlich wie beim Sitzen auf einem Stuhl. Die Schiene führt vertikal nach unten und mündet in einen Bügel, der am Boden Bodenkontakt hat (nicht am Fuß). Der Patient steht mit dem Vorfuß auf dem Ballen, die Ferse berührt die Sohle der Orthese nicht — der Fuß „schwebt" über dem Ballen-Auflagepunkt.
Indikationen
- Schwere Hüft-/Kniepathologien mit Belastungsverbot
- Postoperative Schonung nach Endoprothesen, Osteotomien
- Aseptische Knochennekrosen im Wachstum
Abgrenzung zur Sohlenentlastung
Bei der Sohlenentlastung (Thomas-Schiene-Prinzip) ist auch der Vorderfuß freischwebend — der Lastabfluss läuft komplett über die Orthese. Siehe Tuberaufsitz mit Sohlenentlastung (Thomasschiene).
Wichtige konstruktive Punkte
- Tuberauflage muss schmerzfrei sitzen — Polster, Form
- Schienenführung muss kongruent zur Hüftachse stehen (siehe
- Längenausgleich auf der gesunden Seite ist Pflicht (siehe
→ Verwandt: Tuberaufsitz mit Sohlenentlastung · Längenausgleich · Roser-Nelaton-Linie / Hüftachse.
Quellen
- LehrbuchHütt R. — Orthetik der unteren Extremitäten Standardlehrbuch für Orthesenkonstruktion und biomechanische Wirkprinzipien.
- BildungBundesfachschule für Orthopädie-Technik Dortmund (BUFA)Zentrale Fachschule für die OT-Meisterausbildung in Deutschland — definiert den „BUFA-Standard" als anerkannten Branchen-Konsens.
Verwandte Begriffe
- Tuberaufsitz mit Sohlenentlastung (Thomasschiene)Die Beinorthese mit Tuberaufsitz und Sohlenentlastung — auch Thomasschiene oder Splint genannt — hat die Aufgabe, die gesamte Körperschwere in ihrer belastenden Wirkung vom Skelett-Traggerüst der erkrankten Seite zu nehmen. Der Fuß schwebt völlig frei über der Sohle. Das gelingt nur mit extremer Höhenverlängerung der gesunden Seite.
- Längenausgleich bei BeinorthesenEine Beinorthese verlängert das versorgte Bein. Bei beidseits gleich langen Beinen führt das zu einer einseitigen Beinverlängerung mit Fehlbelastung von Knie und Becken. Der Längenausgleich muss an der gesunden Seite angebracht werden — meist als Sohlenerhöhung am Schuh.
- Roser-Nelaton-Linie & technische HüftachseDie Roser-Nelaton-Linie verläuft anatomisch von der Spina iliaca anterior superior bis zum Tuber ossis ischii. Steht ein Mensch in Neutral-Null-Stellung, kreuzt die durch die Mitte der Achselhöhle fallende Lotlinie diese Linie genau in der technischen Hüftgelenkachse — sie ist damit der zentrale Bezugspunkt für die Hüftachse einer Beinorthese.
- Klassifikation der Orthesen — untere ExtremitätOrthesen der unteren Extremität werden nach umfassten Gelenken klassifiziert: FO (Fußorthese), AFO (Sprunggelenk-Fuß-Orthese), KO (Knieorthese), KAFO (Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese), HO (Hüftorthese), HKO (Hüft-Knie-Orthese) und HKAFO (Hüft-Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese).