Konstruktionsdetails
Vor-/Rückverlagerung des Knöchelgelenks (OSG)
OSG-Verlagerung · auch: Knöchelgelenk vorverlagert · OSG-Achse verschoben
Direct Answer
Eine Vorverlagerung des mechanischen Knöchelgelenks (OSG-Achse) in einer Beinorthese wirkt sichernd — sie verzögert die Bewegungsmöglichkeit im oberen Sprunggelenk und stabilisiert dadurch indirekt auch das Kniegelenk.
Eine dorsale Anschlagsperre im OSG (gesperrte Dorsalextension) wirkt zusätzlich streckend auf das Kniegelenk.
Vorverlagerung — sichernde Wirkung
Wird die OSG-Achse vor den anatomischen Drehpunkt verschoben:
- die Dorsalbewegung des Fußes wird verzögert
- das Kniegelenk wird durch die Verbindung Schaft-Schiene zusätzlich
- der Patient erhält Standphasensicherheit
Dorsale Anschlagsperre — streckende Wirkung
Eine gesperrte Dorsalextension im OSG bewirkt:
- der Vorfuß kann nicht weiter Richtung Schienbein klappen
- der Hebel verlagert sich auf das Kniegelenk
- es entsteht eine Streckwirkung im Knie
In Kombination mit einer Kniegelenksperre wirkt das OSG-Anschlag streckend auf die Hüfte.
Kombination: Sperrung im Knöchel + Knie
Wenn sowohl Dorsalextension im OSG als auch das Knie gesperrt sind:
- Streckung wird bis zur Hüfte weitergegeben
- Becken wird aufgerichtet
- Patient erhält Stand- und Schritt-Sicherheit
→ Aber: drei Gelenke gleichzeitig gesperrt → Sperrregel beachten → viertes Hilfsgelenk (Abrollung) erforderlich.
Sicherheits-Kombination zur Kniesicherung
Eine besonders wirksame Konstruktion zur Kniesicherung:
- OSG dorsal gesperrt
- Kniegelenk frei beweglich, aber rückverlagert
Der dorsal gesperrte Knöchel wirkt streckend, das rückverlagerte freie Knie ist einknicksicher — der Patient kann sich aufrichten, ohne dass das Knie einknickt.
→ Verwandt: Kompromissdrehachse OSG · Knieachse Dorsalverlagerung · Technische Achsen Orthetik · Abrollachse Vor-/Rückverlagerung.
Quellen
- LehrbuchHütt R. — Orthetik der unteren Extremitäten Standardlehrbuch für Orthesenkonstruktion und biomechanische Wirkprinzipien.
- BildungBundesfachschule für Orthopädie-Technik Dortmund (BUFA)Zentrale Fachschule für die OT-Meisterausbildung in Deutschland — definiert den „BUFA-Standard" als anerkannten Branchen-Konsens.
Verwandte Begriffe
- Kompromissdrehachse — oberes Sprunggelenk (OSG)Die Kompromissdrehachse des oberen Sprunggelenks (OSG) verläuft horizontal und parallel zum Boden. Der mediale Austrittspunkt liegt direkt unter dem Malleolus tibialis (medialer Knöchel), der laterale Austrittspunkt mittig am Malleolus fibularis (lateraler Knöchel). Bei Erwachsenen liegt die Achse ca. 8,5 cm über dem Boden.
- Dorsalverlagerung der Knieachse — EinknicksicherheitEine Dorsalverlagerung der mechanischen Knieachse erhöht die Einknicksicherheit des anatomischen Kniegelenks in der Belastungsphase. Die Oberschenkelhalterung verschiebt sich dabei parallel — das schafft Knie-Streckungs-Unterstützung ohne starre Sperrung.
- Technische Achsen in der OrthetikIn der Orthetik der unteren Extremität gibt es vier sinnvoll konstruierbare technische Achsen: Hüftgelenk-, Knie-, oberes Sprunggelenk- und Abrollachse (Hilfsgelenk). Alle Achsen müssen horizontal und parallel zueinander angeordnet sein (kongruent), drei davon dürfen niemals gleichzeitig gesperrt werden ohne ein viertes Hilfsgelenk.
- Vor-/Rückverlagerung der AbrollachseEine vorverlagerte Abrollachse am Fußteil — kombiniert mit Dorsalanschlag im OSG — verzögert die Kniebewegung und schafft Kniesicherheit mit größerer Schrittlänge. Eine rückverlagerte Abrollachse mit gleichem OSG-Anschlag wirkt nur leicht verzögernd, ergibt etwas Kniesicherheit aber kleinere Schrittlänge.